ACAT - Deutschland

Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Gebet_Kreuz

Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Denken wir an einen Gefolterten in BELARUS
Der Taxifahrer Viachaslau Rahashchuk wurde am Abend des 10. August in Pinsk von mindestens fünf Polizeibeamten gewaltsam festgenommen, als er mit seiner Schwester und ihrem Sohn spazieren ging. Einen Tag später nahm ein Mann, der mit ihm inhaftiert war, Kontakt zur Mutter auf und beschrieb ihr mehrere Verletzungen ihres Sohnes, die er in der Haft durch Gefängniswärter erlitten habe. Seit diesen Misshandlungen hat er ein andauerndes Klingeln im Kopf und hat mehrfach das Bewusstsein verloren. Die nötige medizinische Versorgung wird ihm aber verweigert.
Am Vortag der Verhaftung waren die Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahl offiziell bekanntgegeben worden und wegen massiver Betrugsvorwürfe gab es Proteste. Seitdem wurden in Belarus nach Schätzungen mehr als 30.000 Menschen verhaftet, neben Demonstranten, Oppositionellen und Journalisten auch zahlreiche Unbeteiligte, die willkürlich ebenfalls festgenommen wurden. So erging es auch Viachaslau Rahashchuk. Er hat keine Straftat begangen.
Gebet: Guter Gott, das brutale Vorgehen der Polizisten und Gefängniswärter und der Regierung, die diese Taten ausüben lässt, lässt uns erschrecken. Wir hoffen auf faire Verfahren und Freilassungen und auf eine Umbesinnung in Belarus hin zu mehr Demokratie und Achtung der Würde jedes Bürgers.

 

Denken wir an einen Gefangenen in ÄGYPTEN
Ramy Kamel, ein koptischer Menschenrechtsverteidiger, ist seit November 2019 in Präventivhaft. Der Generalstaatsanwalt der Sicherheitskräfte beschuldigt ihn, ohne dabei glaubwürdige Beweise vorzulegen, „dass er den öffentlichen Frieden durch den Gebrauch sozialer Medien und die Verbreitung von Falschnachrichten gestört und dass er eine terroristische Gruppe finanziell unterstützt habe.“ Ramy hat sich dafür eingesetzt, die Rechte der koptischen christlichen Minderheit zu verteidigen. Im April 2019 hat er einen Bericht verfasst über die Diskriminierungen, denen die Kopten seit dem Amtsantritt Al-Sissis ausgesetzt waren. Im November 2019 sollte er in Genf an einem Forum der Vereinten Nationen über die Rechte von Minderheiten teilnehmen, wurde aber zuvor verhaftet. Ramy wurde im November 2019 zweimal durch Sicherheitskräfte gefoltert. Außerdem war er ein Jahr lang in Einzelhaft, was einer Folter gleichkommt und gegen die ägyptischen Gesetze verstößt. Er hatte keinen Hofausgang und durfte weder Bücher, Zeitungen noch Papier zum Schreiben erhalten. Die Präventivhaft wurde von Monat zu Monat verlängert, ohne dass bei Gericht ein Anwalt Ramys zugegen sein konnte. Im August 2020 hat seine Schwester ihn einmal besuchen dürfen. Sie hat ausgesagt, dass er ein Drittel seines Gewichtes verloren habe und auch als Folge der Einzelhaft in einem schlechten Gesundheitszustand sei. Er leide an Asthma und bekomme keine ausreichende medizinische Hilfe. Viele Menschenrechtsorganisationen haben sich bereits beim ägyptischen Staat um eine Freilassung Ramys bemüht.
Gebet: Guter Gott, hilf, dass die grausame Isolation Ramy Kamels und die Präventivhaft ein Ende haben und dass ihm bald ein ordentlicher und fairer Prozess gemacht wird. Hilf, dass die ägyptischen Behörden das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Kopten fördern, indem sie die Menschenrechte und die ägyptischen Gesetze respektieren.

 

Denken wir an Abschiebehäftlinge in SAUDI-ARABIEN
In einem Abschiebezentrum in Riad werden Hunderte, zumeist äthiopische, Arbeitsmigranten unter menschenrechtswidrigen Bedingungen festgehalten. Die Mehrheit der Inhaftierten wurde von den Behörden festgenommen, weil sie keine gültige Aufenthaltsgenehmigung besaßen. Die Inhaftierten berichteten Human Rights Watch, dass sie über längere Zeiträume in extrem überfüllten Räumen festgehalten werden und dass sie von den Wärtern gefoltert und mit gummibeschichteten Metallstäben geschlagen werden. Dies hat zwischen Oktober und November mutmaßlich zu mindestens drei Todesfällen in Haft geführt. Alle Befragten gaben an, dass sie von den saudischen Behörden monatelang mit bis zu 350 weiteren Migranten in beengten Räumen unter unhygienischen Bedingungen festgehalten wurden. Zwei der Männer befinden sich bereits seit über einem Jahr in Haft. Die Inhaftierten erklärten, dass sie nicht genug Platz haben, um sich alle hinzulegen, so dass einige tagsüber schlafen und andere nachts. Die Wärter stellen keine Matratzen zur Verfügung, nur schmutzige Decken. Foto- und Videomaterial belegen die Zeugenaussagen, darunter zwei Videos, auf denen zu sehen ist, wie Hunderte von Männern in einem überfüllten Raum stehen oder übereinander liegen. In der Ecke des Raumes stapeln sich Müll und Schutt.
Gebet: Gott, die Misshandlung der Arbeitsmigranten in Saudi-Arabien erschüttert uns und macht uns fassungslos. Als billige Arbeitskraft ausgebeutet und dann abgeschoben zu werden ist entwürdigend. Wir bitten dich darum, dass die Verantwortlichen in den Häftlingen Menschen mit Würde erkennen und die Abschiebehaft abgeschafft wird.

 

Denken wir an einen in der Haft Misshandelten in der TÜRKEI
Mehmet Sıddık Meşe befindet sich zurzeit wegen Betrugsvorwürfen in der Stadt Diyarbakır in Haft. Am 1. Dezember soll er von Gefängniswärtern brutal geschlagen worden sein. Er hatte zuvor eine Notiz verfasst, in der er Probleme mit Mitgefangenen beschreibt. Nachdem diese Notiz den Wärtern übergeben worden war, holten diese ihn aus dem Schlafsaal und brachten ihn in einen anderen Raum. Dort wurde er von mindestens vier Wärtern ca. 40 Minuten lang mit Holzstöcken auf die Fußsohlen, den Kopf und den Körper geschlagen. Als er später über seine Verletzungen klagte, wurde er von einem Gefängnisarzt sorgfältig untersucht, dieser schrieb allerdings später in seinen Bericht, er sei nicht geschlagen worden. Der Rechtsbeistand sah Mehmet am Tag nach der Misshandlung und dokumentierte zahlreiche Verletzungen, Schwellungen und Blutergüsse. Mehmet wurde für sieben Tage auf die Krankenstation gebracht. Der Rechtsbeistand erstattete Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft entschied allerdings, kein Strafverfahren einzuleiten, nachdem man sich mit den beteiligten Wärtern und dem Gefängnisarzt abgesprochen hatte.
Gebet: Himmlischer Vater, wir vertrauen darauf, dass du bei Mehmet Sıddık Meşe bist. Hilf uns, nicht müde zu werden in unserem Einsatz bei ACAT, uns immer wieder den belastenden Schilderungen der grausamen Behandlungen auszusetzen und uns berühren zu lassen von der Ungerechtigkeit, die anderen Menschen widerfährt.

 

Denken wir an einen hingerichteten Mann im IRAN
Im Jahr 2007 wurde der damals 16-jährige Mohammad Hassan Rezaiee im Zusammenhang einer Schlägerei verhaftet, in der ein Mann erstochen wurde. In seinem Prozess fanden eklatante Unregelmäßigkeiten statt. Am 21. Oktober 2008 wurde er von einem Strafgericht in der Provinz Gilan zum Tod verurteilt. Er hatte keinen eigenen Anwalt. Sein „Geständnis“ wurde, seinem Pflichtverteidiger zufolge, unter schwerer Folter von der iranischen Polizei in Bandar-e Anzali erpresst. Nach mehr als 12 Jahren im Todestrakt wurde Mohammad Hassan Rezaiee am 17. Dezember im Gefängnis von Lakan in Rasht in Einzelhaft genommen und seine Familie darüber informiert, dass seine Hinrichtung in einer Woche stattfinden würde. Am 24.12. wurde er getötet. Die Angehörigen von Herrn Rezaiee hatten nicht die finanziellen Mittel, um einen Anwalt zu bezahlen. Es hätte sonst eventuell die Möglichkeit gegeben, in einem neuen Verfahren den Artikel 91 des Strafgesetzbuches von 2013 geltend zu machen. Dieser Artikel sieht vor, die „psychologische Entwicklung und Reife“ zum Tatzeitpunkt zu berücksichtigen. Im Iran sind 2020 vier Männer hingerichtet worden, die zum Tatzeitpunkt minderjährig waren.
Gebet: Gott, wir nehmen Anteil an der Trauer der Familie von Mohammad Hassan Rezaiee. Du bist ihnen nah, du stärkst sie. Wir bitten auch um Hoffnung für die Eltern anderer Gefangener, die als Jugendliche verhaftet wurden und denen die Todesstrafe droht.

 

Denken wir an einen inhaftierten kranken Mann im IRAN
Behnam Mahjoubi, Angehöriger der religiösen Gruppe der Gonabadi-Derwische, des größten Sufi-Ordens im Iran, wurde im April 2018 im Zusammenhang mit den friedlichen Protesten der Derwische vom 19. Februar 2018 in Teheran festgenommen. Bei diesen Protesten kam es zu exzessiver Polizeigewalt und Hunderte Protestierende wurden schon damals festgenommen. Er wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er an den Protesten teilgenommen hatte. Am 20. Juni 2020 trat er seine Haftstrafe an und wird zurzeit im Evin-Gefängnis festgehalten. Er leidet unter einer schweren Panikstörung, für deren Behandlung er täglich Medikamente einnehmen müsste. Diese Medikamente werden ihm oft vorenthalten. Er wurde schon wiederholt in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht, wo ihm gegen seinen Willen ihm unbekannte Substanzen verabreicht wurden. Sein Gesundheitszustand ist alarmierend. Seine linke Körperhälfte ist zum Teil gelähmt, seine linke Hand zittert und ohne Hilfe kann er nicht gehen. Er ist schon mehrmals in den Hungerstreik getreten, um gegen seine Inhaftierung und die Behandlung im Gefängnis zu protestieren.
Gebet: Jesus, wir sind in Sorge um die Gesundheit von Behnam Mahjoubi. Wir bringen sowohl seine eigene Situation als auch die der Menschen, die ihn schikanieren, vor dich.

 

Denken wir an einen Gefangenen in GUINEA
Oumar Sylla, auch Foniké Manguè genannt, Koordinator der im Front National zusammengefassten oppositionellen Gruppierungen, ist seit dem 29. September 2020 im Zentralgefängnis von Conakry inhaftiert. Der Front National hatte sich gegründet, um die Verfassung zu verteidigen und um eine 3. Amtszeit des Präsidenten Alpha Condé zu verhindern, der sich im Oktober 2020 nach 2 Amtsperioden wiederwählen lassen wollte. Um das zu ermöglichen, hatte der Präsident durch Referendum im März 2020 die Verabschiedung einer neuen Verfassung durchgesetzt. Oumar Sylla hatte Bewohner des Stadtviertels Matoto von Conakry dazu aufgefordert, gegen die Kandidatur Alpha Condés zu protestieren. Er wurde von Beamten in Zivil auf der Straße verhaftet. Der Staatsanwalt ordnete Untersuchungshaft an wegen „Störung der öffentlichen Ordnung und Gefährdung der Sicherheit des Staates.“ Oumar Sylla war bereits von April bis August 2020 aus den gleichen Gründen inhaftiert gewesen. Die Behörden wollten diesen gewaltlosen Aktivisten zum Schweigen bringen.
Gebet: Guter Gott, hilf, dass Oumar Sylla, der lediglich sein Recht auf freie Meinungsäußerung ausübte, bald einen fairen Prozess erhält.

 

Herr, segne uns und alle Menschen in diesem neuen Jahr.
Schenke den Füßen Tanz und den Armen Kraft für Engagement.
Erfülle unser Herz mit Zärtlichkeit für die verletzten Menschen.
Gib uns neuen Mut, der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
Segne deine geliebten Menschen an jedem Tag dieses neuen Jahres.
Aus: TeDeum vom 1.1.2021, Text verändert GS


 

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Denkt an die Gefangenen,

als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können

 

Trauer um Magdalena Marx

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Uns erreichte die traurige Nachricht, dass die Gründungsvorsitzende der ACAT Deutschland, Magdalena Marx, am Sonntag, dem 28. Juni 2020, verstorben ist.

Mit ihrem Tod verlieren wir eine Persönlichkeit, die unseren Verein vom Beginn bis heute geprägt hat.
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Herbst-Tagung

"Christliches Menschenrechtsengagement im digitalen Zeitalter"

Tagung mit ACAT Deutschland e.V. in der Katholischen Akademie Schwerte vom 25.- 27. September 2020. (weiterlesen)


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Nächtliche Gebetswache für Folteropfer 25./26. Juni

Informationen zur internationalen Kampagne: hier.

Einen exemplarischen Ablaufplan für die Nächtliche Gebetswache, erstellt von der Essener Gruppe, finden sie hier.