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Gebet_Kreuz

Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3


Denken wir an eine gefolterte Umweltschützerin im IRAN
Niloufar Bayani ist eine international bekannte Umweltschützerin, die im Iran wegen „Verderbenstiften auf Erden“ angeklagt ist – ein Delikt aus dem islamischen Recht, das sogar mit der Kreuzigung bestraft werden könnte. Während der Haft wurde sie mehrfach bedroht und körperlich und psychisch gefoltert. Weite Teile des Iran leiden zunehmend unter erheblichen Umweltproblemen. Die Antwort der Islamischen Republik darauf besteht darin, Naturschützer zu verhaften. Die Biologin Niloufar Bayani gehört zu den Umweltaktivisten, die den Mut haben, auf Probleme hinzuweisen und Lösungsvorschläge zu machen. Große Teile der iranischen Wirtschaft werden von den Islamischen Revolutionsgarden kontrolliert. Bayani und viele ihrer Kollegen stehen dadurch in direktem Konflikt mit der Führung der Islamischen Republik. Konkrete Vorwürfe gegen die Biologin liegen nicht vor. Im Februar 2019 verkündete der Oberste Nationale Sicherheitsrat in einem Bericht, dass es „keine Beweise gegen die Umweltaktivisten“ gebe. Javed Rahman, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Menschenrechte im Iran, äußerte seine Besorgnis über die Situation iranischer Umweltschützer, die weiter willkürlich gefangen gehalten werden.
Gebet: Wir sind entsetzt, Gott, über die andauernde, willkürliche Gefangenschaft von Niloufar Bayani und anderen Umweltschützer/innen. Entsetzt auch über die widersinnige Begründung der Haft, dass die, die die Umwelt schützen, als Verderber der Erde bezeichnet werden. Wir bitten um ein Umdenken der Verantwortlichen in der iranischen Politik und entsprechendes Handeln: um die Freilassung der Aktivist/innen.

 

Denken wir an einen Gefangenen in CHINA
Ende Juli wurde Huang Qi, für den wir noch im Juli gebetet haben, zu 12 Jahren Haft und zum Entzug seiner politischen Rechte für weitere 4 Jahre verurteilt. Es ist die längste Haft, die in den letzten Jahren gegen einen Verteidiger der Menschenrechte verhängt wurde. Noch nie wurde ein Todesurteil gegen einen Menschenrechtsverteidiger ausgesprochen, aber die Haft ist in China für viele Menschenrechtsverteidiger wie ein Todesurteil. Huang Qi hat bezeugt, dass er mehrfach in der Haft von Polizisten gefoltert und von Mithäftlingen verprügelt wurde mit dem Ziel, ihm ein Geständnis zu entlocken. Er leidet an einer chronischen Nierenkrankheit und an Wasserkopf, an Herz- und Lungenproblemen infolge der Misshandlungen in der Haft. Eine ärztliche Behandlung wird ihm verweigert. Sein Zustand ist besorgniserregend. Er wird in der Haft wohl sterben, wenn er nicht aus medizinischen Gründen freigelassen wird. Viele ebenfalls misshandelte Mitkämpfer sind kurz nach der Haftentlassung verstorben, seit 2014 mindestens 5. Vielen wurde die Haftentlassung aus medizinischen Gründen verweigert, so wie Liu Xiabo, Nobelpreisträger von 2010, der in der Haft verstorben ist.
Gebet: Guter Gott, steh Du Huang Qi und all den politischen Häftlingen in China bei. Schütze sie vor Folter und Leid und ungerechten Urteilen. Bewege die Herzen der Verantwortlichen, dass sie die Würde eines jeden Gefangenen achten.

 

Denken wir an Menschen im Hungerstreik in MEXIKO
Seit fast 4 Monaten sind Indigene der Tzotzil-Maja in verschiedenen Gefängnissen in der Provinz Chiapas in den Hungerstreik getreten. Der Streik steht unter dem Motto „Freiheit oder Tod“. Sie wollen ihre Situation nicht länger hinnehmen, dass sie ohne Gerichtsurteil seit 15 bzw. 20 Jahren im Gefängnis sind. Aktuell sind noch 5 im Hungerstreik: Adrian Gomez Jimenez, Juan de la Cruz Ruin, Abraham Lopez Montejo, German Lopez Montejo und Marcelino Ruiz Gomez. Sie erklären, unschuldig zu sein. Sie seien gefoltert und gezwungen worden, Dokumente oder Geständnisse zu unterschreiben. Man habe ihnen während des Hungerstreiks Maßnahmen zum Erhalt ihrer Gesundheit wie den Zugang zu Wasser verweigert. Sie benötigen medizinische Hilfe. Sie sind Mitglieder indigener Widerstandsgruppen. Zurzeit befinden sich 2010 indigene Personen in Gefängnissen in Mexiko. Auf Grund ihrer Diskriminierung sind sie in den Gefängnissen besonders stark Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.
Gebet: Guter Gott, gib den verzweifelten Hungerstreikenden Hoffnung auf Freilassung, dass sie wieder zum Leben zurückfinden. Wir bitten Dich, dass die Verantwortlichen Mitgefühl für die Not der Indigenen entwickeln.

 

Denken wir an zwei verschwundene Männer in der TÜRKEI
Der Beamte Gökhan Türkmen und der Physiotherapeut Mustafa Yılmaz werden seit dem 7. bzw. 19. Februar 2019 vermisst. Vermutlich wurden sie verschleppt und sind dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. Die Behörden streiten bislang ab, dass sie sich in ihrem Gewahrsam befinden. Allerdings gibt es glaubhafte Hinweise, z.B. die Aufnahmen einer Überwachungskamera, darauf, dass die Männer verschleppt wurden. Am 29. Juli tauchten vier andere Männer wieder auf, die etwa zur selben Zeit verschwunden waren – sie sind bei der Antiterrorabteilung des Polizeipräsidiums in Ankara inhaftiert. Dies verstärkt die Sorge der Angehörigen zusätzlich.
Gebet: Himmlischer Vater, wir sind in großer Sorge um das Leben und die Gesundheit von Gökhan Türkmen und Mustafa Yilmaz. Sei du bei ihnen. Wir hoffen auf ihre Freilassung und Schutz vor Folter und Misshandlung.

 

Denken wir an einen verschwundenen Menschenrechtsanwalt aus CHINA
Gao Zhisheng ist einer der bekanntesten Menschenrechtsanwälte Chinas. Er verteidigte Christen aus Peking, die die Bibel kopiert hatten, Mitglieder der Falun-Gong und zahlreiche Anwälte, die sich für Menschenrechtsaktivisten engagiert hatten. Seit er 2006 zu einem Hungerstreik aufgerufen hatte, um auf die Verfolgung von Menschenrechtsverteidigern aufmerksam zu machen, wurde er immer wieder unter Hausarrest gesetzt, verhaftet oder von Sicherheitskräften verschleppt. Zhisheng wurde jeweils monatelang an unbekannten Orten festgehalten. Dabei erlitt er massive Folterungen und Misshandlungen. Aufgrund der fortgesetzten Repressalien floh seine Familie 2009 in die USA. Im August 2017 verschwand der Menschenrechtsanwalt erneut. Seither gibt es keine Informationen über seinen Aufenthaltsort.      
Gebet: Gott, wir sind beeindruckt davon, dass Goa Zhisheng sein eigenes Wohlergehen um der Wahrheit willen gering achtet, dass er sich trotz massiver Folterungen weiter für Menschenrechtsverteidiger und -verteidigerinnen eingesetzt hat. Vermutlich ist er seinen Verfolgern auch zurzeit wieder ausgesetzt. Wir bitten dich: Gib ihm Mut und Kraft! Hilf ihm, in welcher Situation er sich auch befinden mag, ungebrochen zu überleben.          

 

Denken wir an einen inhaftierten Menschenrechtsverteidiger in ÄQUATORIALGUINEA
Der Menschenrechtsverteidiger Joaquín Elo Ayeto wurde am 25. Februar in seinem Haus in Malabo festgenommen und beschuldigt, Informationen über eine Mordverschwörung gegen den Präsidenten zu haben. Er ist Mitglied der Gruppe Somos+, die sich speziell dafür einsetzt, junge Menschen vor Unrecht, z.B. willkürlichen Verhaftungen, zu schützen. Weiterhin ist er Mitglied einer Oppositionspartei. Er ist im Black-Beach-Gefängnis inhaftiert. Seit Anfang August leidet er an heftigem Durchfall und hohem Fieber. Dies könnten Anzeichen einer schweren Krankheit wie z.B. Malaria sein. Es wurde um die Verlegung in ein Krankenhaus gebeten, auf die Bitte wurde allerdings nicht eingegangen. Der Gesundheitszustand verschlechtert sich weiterhin. Zusätzlich wird ihm seit mehreren Wochen der Zugang zu seiner Familie und seinen Rechtsbeiständen verweigert.
Gebet: Gott, wir bringen die Situation von Joaquín Elo Ayeto vor dich. Wir sorgen uns um seine Gesundheit und sein Leben. Wir bringen ebenfalls die Verantwortlichen für sein Leiden vor dich: Begegne ihnen und berühre ihre Herzen und ihr Denken. Wir bitten dich weiterhin auch für seine Familie um Kraft in dieser schwierigen und belastenden Situation.        

 

Denken wir an inhaftierte Flüchtlinge aus dem Kongo in MOSAMBIK    
16 Flüchtlinge wurden am 17. Januar in einem Flüchtlingslager in der Provinz Nampula festgenommen und sind nun in einer Polizeiwache in der Provinz Cabo Delgado inhaftiert. Die Flüchtlinge stammen größtenteils aus der Demokratischen Republik Kongo und aus Äthiopien.      
Man hat sie bisher weder über den Grund ihrer Inhaftierung noch über die gegen sie erhobenen Anklagen informiert. Die 16 Personen werden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Sie teilen sich eine Gefängniszelle und benutzen ein Loch im Hof der Polizeiwache als Toilette. Ihnen steht zeitweise nur schmutziges Trinkwasser zur Verfügung. Kurz nach der Verhaftung im Januar gab es einen Versuch, einige der Personen in die DR Kongo abzuschieben. Sie wurden in einem Flugzeug in den Kongo geflogen, dort jedoch am Flughafen in Kinshasa nicht aufgenommen, sondern es wurde ihr Rückflug angeordnet.         
Gebet: Gott, wir sind in Sorge um die 16 Flüchtlinge in Mosambik. Gib ihnen Kraft und Geduld, die Haftbedingungen zu ertragen. Schütze sie vor einer Abschiebung in ihre Heimatländer, falls ihnen dort Verfolgung oder Misshandlung droht.

 

 

Wer in Gott eintaucht, taucht neben den Menschen, vorab den Armen/Armgemachten auf. In Gott Eingewurzelte „erben“ von Gott eine hohe Aufmerksamkeit für das Leid der Menschen. Gottnähe macht leidempfindlich. In einer Kultur des Wegschauens üben solche Menschen das Hinschauen.  Wer mystisch gottvoll wird, kann dann gar nicht anders als in Gottes Art zu sagen: „Ich kenne ihr Leid.“ (Ex 3,7) Das ist das Markenzeichen jener Gemeinschaft, die sich Gottes Volk nennt.
                                                                                                                             Paul. M. Zulehner