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Gebet_Kreuz

Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Denken wir an angekettete Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen WELTWEIT
Im Oktober veröffentlichte Human Rights Watch einen Bericht über Frauen, Männer und Kinder, die aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung angekettet werden. (Living in Chains: shackling of people with psychosocial disabilities worldwide). Betroffen sind Hunderttausende in über 60 Ländern der Welt. Der ausführliche Bericht zeigt, dass psychisch Erkrankte oft von ihren Familien Zuhause oder in überfüllten Einrichtungen unter unhygienischen Bedingungen und gegen ihren Willen angekettet werden. Gründe dafür sind eine weit verbreitete Stigmatisierung sowie eine fehlende psychiatrische Gesundheitsversorgung. Viele werden gezwungen auf engstem Raum zu essen, zu schlafen und ihre Notdurft zu verrichten. Die Betroffenen werden häufig zur Einnahme von Medikamenten oder Kräuterpräparaten gezwungen und sind oft physischer und sexueller Gewalt ausgeliefert. Diese Praxis fanden die Untersucher sowohl in staatlich oder privat betriebenen Einrichtungen als auch in religiösen Heilzentren.
Gebet: Guter Gott, es ist kaum zu ertragen, dass so viele Menschen mit psychischer Beeinträchtigung so derart menschenunwürdig behandelt werden. Wir flehen zu dir für sie: sei ihnen spürbar nahe, umfange sie mit deiner Liebe, heile sie. Wir hoffen auf dich! Wir hoffen auf Entwicklung der psychiatrischen Behandlung in diesen Ländern.

 

Denken wir an die gefangenen Demonstrant*innen in BELARUS
Der Protest in Belarus gegen Alexander Lukaschenko wird fortgesetzt. Am 1. November fand eine friedliche Demonstration in Minsk statt, auf der wiederum mehrere Hundert Menschen festgenommen wurden und in Haftanstalten gebracht wurden. Menschen, die aus der Haft entlassen wurden, berichten von unmenschlichen Haftbedingungen in völlig überbelegten Zellen, ohne medizinische Versorgung. Folterungen sind an der Tagesordnung. Die Betroffenen berichten, dass sie geschlagen, gequält und mit Vergewaltigung bedroht wurden. Aus dem ganzen Land liegen unzählige Folterberichte vor, die durch Video- und Bildaufnahmen in den sozialen Medien belegt werden. Es deutet alles darauf hin, dass dieser Ansatz von höchster Stelle gutgeheißen wurde. Von den belarussischen Ermittlungsbehörden wurde nun ein Verfahren gegen 231 gefangene Demonstrant*innen eröffnet. Der Vorwurf lautet, dass sie Aktivitäten organisiert oder vorbereitet haben, welche die Öffentlichkeit massiv stören. Sie sollen im Rahmen eines einzigen Verfahrens verurteilt werden. Kommt es zur Verurteilung, drohen ihnen bis zu drei Jahren Haft.
Gebet: Wir bitten dich, Gott, um Kraft und Stärke, um Zuversicht und Durchhaltevermögen, wir bitten um Mut und Unterstützung, wir hoffen auf ein gerechtes Verfahren für alle inhaftierten Demonstrant*innen in den belarussischen Gefängnissen. 

 

Denken wir an Gefangene in MAROKKO
Seit 10 Jahren sind nun 19 Aktivisten der West Sahara (südliche Provinz von Marokko), die Gruppe von Gdeim Izik, in Haft. Im November 2010 hatten sich etwa 20.000 Sahraouis in einem Lager bei Gdeim Izik eingerichtet, um gegen die Diskriminierung der Sahraouis durch den marokkanischen Staat zu protestieren. Als die marokkanische Polizei das Lager gewaltsam aufgelöst hatte, gab es 13 Tote, darunter 11 Sicherheitskräfte des marokkanischen Staates. 25 Aktivisten wurden festgenommen. 2013 wurden 19 Aktivisten durch ein Militärgericht wegen Mordes an Polizisten zu sehr hohen Haftstrafen verurteilt. Die Urteile beruhten auf Geständnissen, die unter Folter gemacht worden waren. Es waren keine Zeugen vernommen worden. 2016 wurde das Urteil des Militärgerichts aufgehoben. Aber in der Neuaufnahme des Prozesses dienten die damaligen erpressten Geständnisse wieder als Grundlage für das Urteil. Das Comité der Vereinten Nationen gegen Folter protestierte dagegen. Am 4. November 2020, bei der nochmaligen Aufnahme des Prozesses vor dem Obersten Berufungsgericht, fand eine einzige Anhörung statt. Das Urteil soll bis Ende November erfolgen. Es könnte das erste Urteil für endgültig erklären. ACAT verschärft daher seinen Appell, dass das Gericht diesmal eine Neuaufnahme in einem fairen Prozess zulässt.
Gebet: Guter Gott, stärke die Hoffnung der Menschen, die schon eine so lange Haft verbüßt haben, auf Freilassung. Hilf, dass das Oberste Gericht sieht, dass nur ein fairer Prozess und ein gerechtes Urteil dazu beitragen können, die Unruhe in der südlichen Provinz Marokkos beizulegen.

 

Denken wir an Gefangene in MEXIKO
Die Tseltales sind eine indigene Bevölkerungsgruppe im Bundesstaat Chiapas.
Am 15. Oktober 2020 haben Bürger der Tseltales gegen die Einrichtung einer neuen Polizei- und Militärstation auf ihrem Gebiet protestiert. Es ist als Gebiet der autochthonen Bevölkerungsgruppe ausgewiesen und untersteht somit ihrer Eigenverantwortung. Etwa 300 Polizisten haben die friedlichen Demonstranten angegriffen. Das Video einer Journalistin zeigt exzessive Gewaltanwendung. 13 Demonstranten wurden verletzt, 2 verhaftet, nämlich José Luis Gutiérrez Hernández (46 Jahre) und César Hernández Feliciano (30 Jahre). José Luis sagt, dass er in der Untersuchungshaft mit Steinen beworfen und mit Stöcken geschlagen wurde und man ihm gedroht habe, ihn so zu verbrennen, wie man schon seinen Lastwagen verbrannt habe. César wurde mit Tritten und Fäusten am ganzen Körper traktiert. Am nächsten Tag wurden sie in das Gefängnis von Cintalapa gebracht, das 5 Autostunden entfernt liegt. Sie sind nun aus dem Gefängnis entlassen, aber sie werden weiter wegen Rebellion strafrechtlich verfolgt. Ihren Anwälten werden Informationen vorenthalten. Es gibt noch keinen Beweis dafür, dass sie die Sicherheit des Staates gefährdet hätten und man von Rebellion sprechen könne. Die autochthone Bevölkerung wird immer mehr in der Ausübung ihrer Freiheitsrechte wie freie Meinungsäußerung und in der eigenverantwortlichen Verwaltung ihrer Gebiete beschnitten, obgleich die Verfassung ihnen die Freiheit zugesteht.
Gebet: Guter Gott, hilf den autochthonen Bevölkerungsgruppen , dass sie den Anspruch auf Unversehrtheit ihrer Gebiete verteidigen können. Steh besonders José Luis und César Hernández bei, dass in einem fairen Prozess die bislang haltlosen Beschuldigungen zurückgenommen werden.

 

Denken wir an einen Menschenrechtsverteidiger in CHINA
Am 22. Oktober 2020 wurde der bekannte Menschenrechtsanwalt Chang Weiping in der Stadt Baoji in der Provinz Shaanxi festgenommen. Seitdem wird er wegen des Verdachts auf "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" unter "häuslicher Überwachung an einem dafür vorgesehenen Ort" festgehalten. Chang Weiping hatte zuvor ein Video veröffentlicht, in dem er über seine Folter während einer früheren Inhaftierung sprach. Da Chang Weiping bereits Folter erlebt hat und keinen Kontakt zu seiner Familie oder seinem Rechtsbeistand erhält, ist er in erhöhter Gefahr, erneut gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden.
Gebet: Himmlischer Vater, wir bringen das Schicksal von Chang Weiping vor dich. Wir bitten dich um Schutz und um Freilassung oder ein faires Verfahren für Chang Weiping.

 


Denken wir an einen verschwundenen Anwalt im IRAK
Am 8. Oktober 2019 erhielt der Jurist Ali Jaseb Hattab al-Heliji den Anruf einer Frau, die angab, einen Anwalt zu suchen und ihn bat, sich mit ihr im Zentrum von Ammarah in Gouvernement al-Mayssan zu treffen. Ali Jaseb Hattab al-Heliji traf sich, wie vereinbart, noch am selben Tag mit der potenziellen Mandantin. Kurz danach trafen in zwei schwarzen Pick-ups bewaffnete Männer ein, die mutmaßlich zu den Einheiten der Volksmobilisierung PMU gehörten, zerrten den Anwalt von seinem Auto weg und fuhren in einem der Pick-ups mit ihm davon.
Über ein Jahr ist nun seit seiner Entführung vergangen. Sein Aufenthaltsort und sein Schicksal sind unbekannt. Obwohl der Ministerpräsident versprochen hatte, den Verbleib des Menschen-rechtsanwalts aufzuklären, gibt es in seinem Fall keine Fortschritte. Zudem sind wiederholt Drohungen gegen seine Familie ausgesprochen worden.
Gebet: Gott, wir beten für Ali Jaseb Hattab al-Helihi und seine Verwandten und Freunde in dieser schwierigen Situation der Ungewissheit. Wir beten weiterhin auch für die Verantwortlichen für dieses Verschwindenlassen. Wir hoffen auf menschenwürdige Behandlung und eine baldige Freilassung!

 

Denken wir an einen inhaftierten Asylsuchenden in den USA
Steven Tendo ist ein 35-jähriger Pastor und Menschenrechtler aus Uganda, der vor Folter und Morddrohungen in die USA floh. Im Dezember 2018 beantragte er Asyl in den USA und befindet sich seitdem in Einwanderungshaft in Texas. Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE hatte angedroht, ihn am 3. September 2020 nach Uganda abzuschieben. Am 7. September 2020 konnten Amnesty International und andere Organisationen die Abschiebung verhindern. Nun muss er weiterhin die Entscheidung über sein Asylverfahren in Haft abwarten. Die nächste Anhörung soll Ende 2020 stattfinden. Nach zwei Jahren unzureichender medizinischer Versorgung hat sich der Gesundheitszustand von Steven Tendo erheblich verschlechtert: Er leidet an Diabetes sowie Taubheit und ständigem Kribbeln in seinen Gliedmaßen. Er ist zudem auf einem Auge erblindet. Steven Tendo ist durch die Inhaftierung in Gefahr, sich mit Covid-19 anzustecken, was für ihn lebensgefährlich wäre.
Gebet: Himmlischer Vater, wir sind in Sorge um die Gesundheit und Sicherheit von Steven Tendo. Wir wünschen ihm einen sicheren Aufenthaltsort und Schutz vor der Abschiebung in ein Land, in dem ihm Folter droht. Wir vertrauen darauf, dass du ihm nahe bist.

 

 

„Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt. Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.“
Jak 5, 7-8