ACAT - Deutschland

Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter - Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture

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Friedensgang am Karfreitag 2019 zur Friedenseiche - Ablauf

Heike führt durch das Gebet:

Der Friedensforscher Kenneth E. Boulding sagt:
„Ich glaube, das Wichtigste, das ein Mensch tun kann, ist, zu glauben, dass Friede möglich ist; und das Zweitwichtigste ist, dies anderen Menschen zu sagen.“

Die Frauengemeinschaft und die Gemeinschaft der ACAT danken euch für die Beteiligung am heutigen Friedensgang. Lasst uns beginnen mit dem Lied: „Was ihr dem geringsten Menschen tut“  

Eingangslied: „Was ihr dem geringsten Menschen tut“ (Gotteslob 1975, 619 Str. 1-3)

Begrüßung:
Seit über 70 Jahren leben wir in Europa in Frieden. Gott sei Dank. In den Jahren 2014 u. 2016 besuchte ich Soldatenfriedhöfe in Frankreich. Nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender habe ich gespürt, was die Europäer mit den zwei Weltkriegen Grauenhaftes angerichtet haben.         80 Millionen Menschen hat es das Leben gekostet.
Mit der Schaffung der EU ist ein historisches Friedensprojekt entstanden. Doch nun plant die EU ab 2021 Milliardeninvestitionen für die Rüstungsindustrie, gemeinsame Militäreinsätze und noch mehr Grenzsicherung. Wir brauchen ein Europa, das glaubhaft für gewaltfreie Konfliktbearbeitung einsteht, statt für Abschottung und Militarisierung.
Ich bitte euch daher, im Gedenken an die Kriegstoten, die Kampagne des Forums Ziviler Friedensdienst, die sich gegen die uferlose Aufrüstung mit Waffen richtet, mit eurer Unterschrift zu unterstützen.   „Rettet das Friedensprojekt Europa“.

Gedanken zu Karfreitag und den Folteropfern heute
Zu Karfreitag, wenn Christinnen und Christen des Leidens und Sterbens Christi gedenken, der am Kreuz gefoltert und getötet wurde, erinnert die „Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter“ (ACAT) daran, dass Jesus in diesem Sinn der Bruder aller Folteropfer und aller zum Tod Verurteilten ist.
So lädt die ACAT jedes Jahr zu Karfreitag Mitglieder und die breite Öffentlichkeit ein, der Männer, Frauen und Kinder zu gedenken, die heute misshandelt, gefoltert oder umgebracht werden.

Karfreitagskampagne 2019

In diesem Jahr bestreitet die ACAT-Schweiz die Karfreitagskampagne. Sie steht unter dem Thema „Mehr Mensch, weniger Mensch. – Die Todesstrafe in den USA und die Entwürdigung des Menschen.“
Die Realität in den Todestrakten der USA 2019 ist folgendermaßen: Menschenunwürdige Lebensbedingungen. Isolationshaft. Menschen, die trotz psychischer Störungen auf die Hinrichtung warten. Justizirrtümer. Auf 9 Hinrichtungen kommt eine Person, die als unschuldig erklärt und freigelassen wurde. Eine kolossale Fehlerquote für eine Strafe, die nach der Vollstreckung nie wieder gemindert, umgewandelt oder erlassen werden kann. Auch bei schwarzen Tätern sind die Geschworenen zumeist weiß und kennen seine Lebensgeschichte nicht. Sie haben keine Gnade für Leute, bei denen sie keine Hoffnung auf Wiedergutmachung sehen.
Aktivisten der US-amerikanischen Zivilgesellschaft haben ACAT-Schweiz gebeten, im Rahmen dieser Kampagne Forderungen an die Wirtschaft zu stellen. Einflussreiche Unternehmen können dabei helfen, die Anliegen der zahlreichen Todesstrafe-Gegner in den USA durchzusetzen.  Unternehmen wollen heute als sozial verantwortlich gelten. Der Nahrungsmittel-Gigant Nestlé mit Hauptsitz in der Schweiz hat sich zum Ansprechpartner in Menschenrechtsanliegen entwickelt. Die ACAT-Schweiz will nun Nestlé in die Pflicht nehmen: Nestlé soll ihren Einfluss gegenüber Entscheidungsträgern in den USA geltend machen und für die Abschaffung der Todesstrafe plädieren. 
ACAT-Deutschland unterstützt diesen Appell mit einer Unterschriftenaktion. Die Listen geben wir nun von 2 Seiten herum mit der Bitte, Name und Adresse einzutragen und zu unterschreiben, wenn Sie bisher noch nicht an der Unterschriftenaktion teilgenommen haben. Herzlichen Dank!
Währenddessen ein Taizé-Lied:  z.B. „Ubi caritas et amor“ Taizé-Lied (Halleluja. Lieder vom Aufbruch 158)


 Meditation
Was wir auch tun, wir bewahren unsere Würde

Die menschliche Würde kann man auf verschiedene Art und Weise betrachten. Wir
alle verfügen auch irgendwo über eine Vorstellung dessen, was menschliche Würde
ist. Einen Gegenstand etwa kann man sich für konkrete Zwecke anschaffen. Ein
Mensch dagegen kann nicht für einen bestimmten Bedarf verwendet werden, es sei
denn, man macht ihn zu einem Sklaven. Es existiert also in jedem Menschen eine
eigene Würde, also eine Würde, die sich auf das Wesen dieses Menschen bezieht.

Wenden wir uns nun dem zu, was uns die Bibel zu diesem Thema sagt. Es zieht sich
durch die ganze Bibel und steht im Mittelpunkt der Beziehung, die Gott zu den Men-
schen aufbauen möchte.  Gott bietet unermüdlich den Menschen, die er erschaffen
hat, einen Bund an.

In den Augen Gottes ist der Mensch auf keinen Fall ein Gegenstand, den er nach
seinem Gutdünken manipulieren kann. So überträgt Gott in der Schöpfungsgeschichte
Adam die Aufgabe, allen Lebewesen der Erde einen Namen zu geben.

Eine bekannte Geschichte zeigt uns, wie sehr ein jeder Mensch in den Augen Gottes
zählt. Denken wir an die tragische Geschichte von Kain und Abel. Wie reagiert Gott
auf diesen Mord? Er spricht Kain an:“ Wo ist Abel, dein Bruder?“ Er entgegnete:
„Ich weiß es nicht! Bin ich der Hüter meines Bruders?“ Der Herr sprach:“ Was
hast du getan? Das Blut deines Bruders erhebt seine Stimme und schreit zu mir vom
Erdboden.“
Gott tritt mit Kain, dem Mörder, in Dialog. Er zieht ihn für sein Tun zur Verantwort-
ung, weist ihn aber auch auf seine Beziehung hin. In den Augen Gottes ist Kain  in
erster Linie Abels Bruder. Er verurteilt die Tat entschieden, sieht in ihm aber immer
noch einen vollwertigen Menschen. Daraufhin machte der Herr dem Kain ein Zei-
chen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde. Damit schützt er ihn sogar vor denen,
die Böses mit Bösem vergelten wollen. Auch wenn er ein Mörder ist, bewahrt Kain
seine menschliche Würde.
Die Würde eines jeden Menschen ist die Frucht der Liebe Gottes, die er jedem
menschlichen Wesen entgegenbringt.
Ob Verbrecher, Menschen mit schwerer Altersdemenz oder körperlicher oder geistiger Behinderung, Schizophrene oder Drogenabhängige – sie alle bewahren ihre Würde!
Sie sind vollwertige Menschen, wie jeder von uns.

Im Evangelium verkündet Jesus die Frohe Botschaft vor allem den Armen. Sie stehen
auch für alle Personen, die ausgeschlossen, ausgegrenzt oder isoliert werden; aber
auch Kranke oder in der Gesellschaft nicht gut angesehene Leute wie Zöllner und
Steuereintreiber. All dieser Menschen nimmt er sich voller Mitgefühl an und möchte
ihnen ihre Würde wiedergeben!

In den Augen der Gesellschaft kann jedem seine menschliche Würde aberkannt
werde. Nehmen wir uns den bekannten Zöllner Zachäus als Beispiel. Er hat den Ruf
eines unehrlichen Menschen, ja sogar eines verdorbenen Wesens. Daher ist die An-
nahme, dass er jegliches Gefühl von Würde verloren hat, nicht übertrieben. Jesus
macht sich die Mühe, stehen zu bleiben und seinen Blick auf diesen Mann zu richten.
Wir alle kennen diese Geschichte und die Veränderung des Zachäus.
Wichtig für uns ist die damit verbundene Erinnerung an die Mission Jesu: die Ver-
lorenen zu suchen und zu retten.

 

Fürbitten

Denken wir an einen gefangenen in KAMERUN:
Maurice Kamto, Präsident der Bewegung für den Wiederaufbau Kameruns, wird in Yaoundé in den Räumen einer Eliteeinheit der Polizei gefangen gehalten. Am 26. Januar hatte Kamto friedliche Demonstrationen in mehreren Städten organisiert, um gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl von Oktober 18 zu protestieren. Die Demonstrationen wurden aufgelöst und Kamto wurde am 28. Januar verhaftet. Mit ihm wurden etwa 200 Aktivisten festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen: Aufstand, Zusammenrotten, Störung der öffentlichen Ordnung, Feindseligkeit gegen das Vaterland. Würden sie für letzteres für schuldig befunden, könnten sie nach Art. 102 der kamerunischen Verfassung zum Tod verurteilt werden.

Gebet:
guter Gott, schütze die Gefangenen in ihrer Haft vor Misshandlung. Gib den Verantwortlichen die Einsicht, dass eine friedliche Bewegung für freie Meinungsäußerung nicht mit staatlichen Repressalien und Unterdrückung geahndet werden darf.
 
„Bleibet hier und wachet mit mir“ Taizé-Lied (Halleluja 96, 3x gesungen)

Denken wir an eine Anwältin im IRAN:
Die iranische Rechtsanwältin Nasrin Sotoudeh wurde am 30. Dezember in ihrer Abwesenheit zu 33 Jahren Haft und 148 Stockhieben verurteilt. Sie engagierte sich als Anwältin für Menschenrechte, insbesondere die von Frauen und gegen die Anwendung der Todesstrafe im Iran. Das Gericht verurteilte sie wegen „Anstiftung zur Korruption und Prostitution“ und wegen der „unmoralischen Handlung, in der Öffentlichkeit keine Hijab getragen“ zu haben. ACAT-Deutschland hat Nasrin Sotoudeh für den Menschenrechtspreis des Richterbundes 2020 vorgeschlagen. Im letzten November haben wir eine Briefaktion für sie und ihren Ehemann, der inzwischen auf Kaution freigelassen wurde, durchgeführt.
Gebet: Wir klagen, Gott, über die langjährige und systematische Verfolgung derer, die sich für Menschenrechte im Iran einsetzen! Wir bitten zurzeit vor allem für die Anwältin Nasrin Sotoudeh. Du verlässt sie nicht. Möge sie nach dieser Verurteilung nicht ihre Hoffnung verlieren.

„Bleibet hier und wachet mit mir“ (s.o.)
Lasst uns gemeinsam beten: Das Bekenntnis zu den Menschenrechten
Ich glaube an Gott, unser aller Vater, der die Erde uns allen gegeben hat und jeden Menschen liebt.
Ich glaube an Jesus Christus, der kam, um uns von der Liebe des Vaters zu erzählen und uns damit Mut gab, Gottes Friede der ganzen Menschheit zu verkünden.
Ich glaube an den Heiligen Geist, der seine Gaben jedem Menschen schenkt. Er wirkt in dieser Welt und bringt jedem Land das Leben Gottes.
Ich glaube an die Macht der Liebe, wie sie Jesus uns vorgelebt hat:
Solidarisch mit den Armen, stark durch ihre Friedfertigkeit.
Ich glaube, dass alle Menschen gleich sind, „ohne Unterscheidung von Art, Farbe,Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft , Eigentum, Geburt oder sonstiger Umstände.“
Ich glaube an das Recht aller Menschen auf Leben, Freiheit und Frieden.
Ich glaube, dass mir aus meinen Rechten die Pflicht erwächst, mich für die Rechte der Unterdrückten einzusetzen.
Ich glaube daran, dass ich Unterdrückung und Ungerechtigkeiten nur bekämpfen kann, wenn ich mich selber bemühe, gerecht und friedfertig zu handeln und nie Gewalt anzuwenden.

  Ich glaube, dass wir Krieg und Hunger vermeiden können,
wenn wir in der Nachfolge Jesu Christi handeln.
  Ich glaube, dass Gott durch uns einen neuen Himmel
und eine neue Erde schaffen kann:
  Ich glaube an die Schönheit der Schöpfung,
an die Liebe und an den Frieden auf der Welt.

 

Lasst uns nun gemeinsam für den Frieden in aller Welt und in unserer Gemeinde, in unserem Haus, in jedem Einzelnen von uns das Vater unser beten.

Letztes Jahr zu Karfreitag hat Anette Feigs, ACAT-Mitglied aus Krefeld, zu Markus 15 Vers 39: „Wahrhaftig, dieser Mensch ist Gottes Sohn“  folgendes Gedicht geschrieben:

Gotteserkenntnis
„Wahrhaftig, dieser Mensch
Ist Gottes Sohn“     (Mk 15,39)

Sein Angesicht zeigt sich
in den Geschundenen
in den Gefolterten
in den Verachteten
Und doch
Besiegt ER den Tod
mit den Leidenden
mit den Schwachen
mit den Ängstlichen

Den Mut, standhaft zu sein, wenn das Leben uns herausfordert und die Kraft, Leid und Schmerzen auszuhalten – auch die unserer Nächsten – brauchen wir alle, besonders aber die Verfolgten und Gefolterten und die Menschen im Todestrakt.
Wenden wir uns deshalb an die Gottesmutter, die ihren hingerichteten Sohn in den Armen hält, mit dem etwas anderen Ave Maria, das auf dem Liedblatt steht:

Gegrüßet seist du Maria
voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit  ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, hilf uns
in den Leidenden
das Antlitz deines Sohnes zu erkennen. Amen

 

Segensspruch:
Wer im Vertrauen auf Gott sät, wird Segen ernten. Wo gebetet wird, fließt Segen.
Nicht mit Ellenbogen, sondern auf Knien kommt Segen in unser Leben.
So bitten wir Gott um seinen Segen für uns und alle die Menschen, die unter Gewalt und Krieg leiden.
So segne euch (Priester) der allmächtige Gottim Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

(Wenn jemand von uns den Segen sagt, heißt es „So segne uns…)

Schlusslied: „Komm näher, Friede“ Hal 214


Denkt an die Gefangenen,
als ob ihr selbst mit ihnen im Gefängnis wärt.
Denkt an die Misshandelten,
als müsstet ihr ebenso leiden wie sie.

Hebr. 13,3

Was Sie tun können


Kirchentag2019

Wie in den Vorjahren ist die ACAT Deutschland wieder mit einem Stand und am Politischen Nachtgebet vertreten.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch und über Ihre Unterstützung. Weiterlesen...

Weitere Informationen zum Kirchentag: www.kirchentag.de

Friedensgang mit Gebeten

Die Karfreitagskampagne 2019 wird in Essen-Byfang im Rahmen eines Friedensgangs mit Gebeten für den Frieden in Europa und die Opfer politischer Gewalt nach der Karfreitagsliturgie zusammen mit der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (Kfd) und der ACAT-Gruppe durchgeführt.

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gebetswache2015
gebetswache web

Nächtliche Gebetswache für Folteropfer

Die ACAT-Gruppe auf der Ruhrhalbinsel hält die Gebetswache seit Jahren in 2 Kirchen (kath. und evang.) und geht zu Fuß von der einen zur anderen. Deshalb teilt sie das Thema in 2 Teile auf, betet in jeder Kirche für 5 der 10 Folteropfer und lässt jeweils einen Unterstützerbrief schreiben. Nutzen Sie den angehängten Ablauf gern auch für Ihren Gottesdienst / Ihr Gebet.
 
Weitere Informationen hier.

Erfahrungen Ruhrhalbinsel Essen hier lesen


Ein Gespür für die Unterdrückten

Die Zeitschrift "Lebenslauf" (Bundesverlag, Witten) hat den bisherigen Lebensweg von
Magdalena Marx, der sehr eng mit dem Weg der ACAT Deutschland verknüpft ist, in einem eindruckvollen Artikel nachgezeichnet.


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